01.02
Schon beim ersten Besuch unseres Gartens fallen uns die eifrigen Ameisen auf. Nicht nur dass sie besonders groß wirken, ihre Straßen durchweben das gesamte Grundstück und wenn man den Blick nur einen Moment auf den Waldboden fixiert, wird die Energie dieser Lebewesen deutlich. Es fängt an zu wabern und im nächsten Augenblick wird ein Netzwerk sichtbar, das wie ein einziger Organismus anmutet.
Schnell haben wir die Zentrale dieses Staates ausgemacht. Der Bau, im Halbkreis des Rosengartens ist augenscheinlich nicht besonders groß. Doch die unterirdischen Verzweigungen müssen gigantisch sein, das lässt sich zumindest erahnen, als wir mit einer Schaufel vorsichtig den Zugang vergrößern.
Unser erster Gedanke ist die Ameisen umzusiedeln. Wir befragen unsere Handys und überlegen wohin wir den Staat versetzen können. Es sind so viele Ameisen unser gesamtes Grundstück ist voll und es sieht so aus als würden sie unser Glück vom Garten eventuell stören.
Letztendlich entscheiden wir uns aber dafür die Ameisen dort zu belassen. Ein umgedrehter Tontopf, zunächst für die Umsiedlung gedacht, dient jetzt als zusätzlicher Schutz und Heizkraftwerk der Behausung und markiert deutlich sichtbar ihren Unterschlupf. Sie waren vor uns hier und jetzt leben wir zusammen.

